Schchara Gletscher
Es gibt sehr viel leckeres Frühstück. Danach geht es nochmals durchs Dorf. Vorher können wir mit dem Bruder des verstorbenen Künstler noch einen Blick in das Art Museum werfen. Zu Lebzeiten hat der Maler versucht seine Bilder für ein paar Lari hier in Ushguli an der Brücke zu verkaufen. Er wurde zwar zu Lebzeiten noch bekannt, allerdings sind seine Arbeiten erst nach seinem Tod einiges mehr Wert geworden. Der Bruder ist nun offiziell Eigentümer der Bilder, wird aber bis auf weiteres nichts verkaufen.
Im Dorf gehen wir noch ins Ethnologische Museum. Ein altes Haus mit der damaligen Einrichtung. Quasi im unteren Teil fürs Vieh und darüber direkt die Schlafstätten der Bewohner. Leider geht das Licht im Haus gerade nicht, womit wir uns mit den Lampen unserer Telefone behelfen müssen. Naja, so ist der Eindruck wie es früher war nochmal authentischer.
Wir laufen zurück, Toni nimmt eine Abkürzung um das Auto zu holen, wir machen eine kurze Rast in einem kleinen Café. Hier gibt’s auch Honig, den Anja auch gleich mitnimmt.
Bis zum Gletscher sind es einige Kilometer. Viele laufen das. Nachdem aber auch ein paar LKWs den Schotterweg dorthin genommen haben, schlägt Toni vor Mal zu probieren wie weit wir mit dem Auto kommen (nur 2 Rad angetrieben, kein Allrad). Es klappt ganz gut. Unterwegs sind massiv viele Bunte Blumen auf den Wiesen. Ein toller Anblick. In etwa so wie bei uns die blühenden Mohnfelder, nur halt in Bunt.
Wir schaffen es in der Tat bis zum letzten Anfahrbaren Punkt. Toni verteilt Wanderstöcke an uns, ich geb ihm den kleinen Rucksack mit der Drohne. Selbst bin ich mit zwei Kameras behängt. Der erste Wegweiser sagt 55 Minuten. Ich bin froh über den Wanderstock und arbeite mich Schritt für Schritt voran. Wandern ist nicht meins.
Würde behaupten das wir gut eineinhalb Stunden gebraucht haben um zum Geröllfeld zu kommen. Anja will nich ganz an den Gletscher, sie ist bereits happy über die vielen Blumen, die sie auf dem Weg fotografiert hat. Na gut, ich lass ihr eine Kamera da und Stiefel weiter.
Endlich geschafft. Fast dran an der Gletscherzunge. Ran ans Eis ist zu gefährlich. Zum einen fallen immer wieder Steine herab und zum anderen könnte der Gletscher auch kalben. Und da wären wir eigentlich schon zu dicht dran.
Auf einem Fels steht jemand und lässt seine DJI Neo 2 Drohne um sich kreisen. Toll so hatte ich mir das auch vorgestellt. Also bring ich die Mimi 5 Pro an den Start. Starten geht schon fast schief, da ein Strassenhund an kommt und nach ihr schnappen will. Scotty Energie. Grad so geschafft dem zuschnappen zu entkommen.
Mache vorsichtshalber manuell Bilder von der Umgebung und fliege über den Gletscher. Dann wage ich doch eine der automatischen flugmanöver auszuprobieren. Die Drohne fliegt Vollgas von mir weg, das Kamerabild dreht sich auf den Kopf. Mittlerweile ist der Neo 2 Pilot bei mir und meint nur das sie wohl gecrasht ist. Der Home Button rettet mich bzw. die Drohne.
Keine Ahnung wie dämlich ich mich anstelle. Wenn ich was auswähle soll ich markieren um was die Drohne fliegen soll. Irgendwie ist dann auf dem Kontroller aber ein erklärbild und verdeckt mich. Ich drück nochmals Start. Drohne donnert wieder Vollgas los, diesmal direkt auf die Gletscherwand zu. Puls 200. Der Neo Pilot meint, oh das ist sehr dicht dran. Oh Mann, welcher Hebel mach nun was? Home rettet mich wieder und ich lande sie wohlbehalten.
Thema Drohne hat sich damit erledigt. Zum einem seh ich sie durch mein lädiertes Auge kaum wenn sie etwas weg ist und zum anderen hatte ich vorm Urlaub keine Zeit mit Ihr zu üben. Meist hab ich auch ein ungutes Gefühl wenn ich sie fliegen lasse, da doch der ein oder andere immer mal grimmig schaut. Verständlich wenn an so schönen Orten ständig ein Summen von den Drohen in der Luft ist. Ist zwar hier recht entspannt. Meist sind Drohnen an Kirchen, Klöstern etc. auch verboten. Teils halten sich die Leute nicht dran. Gibt auch oft Lokale Drohenflieger, die hier stehen und anbieten von Dir ein Video zu machen. Ob die eine Ausnahme Genehmigung haben kann ich mir fast nicht vorstellen. Egal, ich schweife ab.
Irgendwann ist der Rückweg geschafft. Bin ein paar mal umgeknackst, aber die hohen Schuhe haben mich gerettet. Am Auto gibt’s Pfirsiche und Kirschen zur Regeneration. Wandern wird nicht meins. Zurück mit dem Auto den Offroad Weg nach Ushguli und ein paarmal angehalten um die bunten Blumenwiesen zu fotografieren. Welche Farbenpracht!
Und dann passiert es, der Titel für meinen Georgien Vortrag erscheint mir
Na dann ist der Rest ja kein Problem mehr. Hoffe ich komme wirklich dazu!
Zur nächsten Unterkunft nach Iprali sind es nur so 15 km. Die Unterkunft selbst zu finden wird etwas schwierig. Eigentlich soll ein Asphalt Weg dorthin gehen. Sowas gibt’s hier aber nicht. Der Feldweg der richtig sein könnte ist mit einem Tor abgesperrt. Toni fragt sich durch. Wir sind Richtig. Einfach das Tor aufmachen und hoch fahren. Gesagt, getan. Etliche Serpentinen geht es nach oben. Die Eigentliche Unterkunft liegt dann nochmals etwa tiefer als dieser Hauptfeldweg. Der Weg dahin geht recht steil bergab, okay Toni wagt es. das arme Auto.
18:50 Uhr endlich angekommen. Kurz ins sehr kleine Zimmer, Gemeinschaft Bad übern Hof. 19:00 Uhr Abendessen. Ist halt eine Wanderer Unterkunft. Da geht es recht einfach zu. Das Essen ist okay, die Trinkwasser Karaffe füllt sich jeder selbst aus dem Wasserhahn im Speisezimmer. Generell kann ich sagen das wir durch Wasser aus Quellen am Straßenrand, Trinkbrunnen in diversen Städten oder sonst wo keinerlei Probleme gehabt haben.
Toni schlägt nach dem Essen vor nochmals etwas höher zu laufen um den Sonnenuntergang mit Bergpanorama zu beobachten. Außerdem hätten wir ja noch ne Flasche Wein vom Picknick. Prinzipiell könnte man auch mit dem Auto fahren. Wir sind dabei ![]()
Schlussendlich landen wir in Khalde. Ein kleines Bergdorf das 1876 vom Militär des russischen Kaiserreich komplett dem Erdboden gleich gemacht wurde nachdem die freien svanetischen Bergbauern sich strikt weigerten, sich den zaristischen Gesetzen und Abgaben zu unterwerfen.
Khalde hat etliche Ruinen und mittlerweile einige Cafés für die Wanderer die hier durch kommen. Wir laufen einmal durch das kleine Dorf und steigen zur alten sehr kleinen Kirche hoch. Irgendwann knackst der linke Fuß um und ich fange mich mit dem rechten Knie auf dem Gras ab. Glücklicherweise hat nur die Hose einen Grasfleck. Ich bin okay. Leider stellt sich später raus das ich mir dabei drei Sprünge in das Schulterdisplay einer Kamera eingehandelt hab. Noch geht alles, also erstmal kein Problem. Der Nikon Service Frankfurt wird es hoffentlich richten können.
Es geht wieder zurück. Bevors den Steilweg zu Unterkunft hinunter geht holen wir nochmals die Stühle aus dem Auto, trinken Rotwein und genießen den Himmel mit ein paar Wolken während die Sonne bereits untergegangen ist.
Ein harter und langer Tag geht zu Ende.
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